vom 12. März 2013

Vergleichbarkeit der Abschlüsse

Einbringungsrede zum SPD – CDU Antrag: „Bundesweit bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse von Berufsreife und Mittlerer Reife – Entlastung der Lehrkräfte bei Beurteilungen und Prüfungen“

Landtagssitzung am 26. September 2012

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete!

Unsere Lehrerinnen und Lehrer haben in den letzten 10 bis 15 Jahren immer mehr Aufgaben übertragen bekommen. Dazu kamen die zahlreichen Schulgesetzesänderungen, die letztendlich mit immer mehr Arbeit und Zeitaufwand verbunden waren. Neue große Herausforderungen stehen uns mit der Umsetzung der Inklusion in unseren Schulen noch bevor. Deshalb wollen wir mit diesem Antrag und dieser Novellierung des Schulgesetzes Entlastung bei den Lehrerinnen und Lehrer schaffen. Das ist das Ergebnis zahlreicher Gespräche mit Praktikern. Wir haben zugehört und werden jetzt handeln.

Deshalb ist es das erklärte Ziel der Koalitionsfraktionen von SPD und CDU und der Landesregierung, Lehrerinnen und Lehrer von unnötigen bürokratischen Aufgaben zu entlasten, damit sie wieder mehr Zeit für ihre wahren Aufgaben haben, nämlich unsere Kinder zu bilden, zu erziehen und ihnen Vorbild zu sein.

Ich habe schon in meiner Rede zum Schulgesetz darauf hingewiesen, dass der Schrei nach mehr Geld nicht immer nur zum Ziel führt, nämlich eine bessere Schule in Mecklenburg – Vorpommern.

Der erste Prüfauftrag an die Landesregierung lautet, ob

„Die Einführung von einheitlichen Bewertungskriterien beim Arbeits- und Sozialverhalten die Lehrkräfte entlastet und für die Eltern und Ausbildungsbetriebe leichter verständlich wird. Hier soll insbesondere geprüft werden, ob eine Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens durch Noten zur besseren Verständlichkeit bei Eltern, Schülern und Ausbildungsbetrieben führt.“

Die Einführung der sogenannten Kopfnoten hat den Schulen zusätzliche Arbeit eingebracht, die sich ein Außenstehender kaum vorstellen kann. Mit der Begründung der selbstständigen Schule hieß es, dass sich die Schulen eigene Vorgehensweisen und Kriterien erarbeiten sollen, um eine gerechte Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens zu garantieren. Die einzigen Vorgaben waren die vier Bewertungsmaßstäbe: vorbildlich, gut, zufriedenstellend und entwicklungsbedürftig. Da scheinbar Juristen die Oberhand vor den Praktikern hatten, kam so eine Vorgehensweise heraus.

Vor der Einführung der Kopfnoten gab es für die Schulleiterinnen und Schulleiter Beratungen beim Schulrat, anschließend informierte die Schulleiterin bzw. Schulleiter die Lehrerkonferenz. Neben den vielen anderen Aufgaben an der Schule entwickelte eine Arbeitsgruppe einen Vorschlag zur Umsetzung der Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens. Dieser Vorschlag wurde dann in der Lehrer- und in der Schulkonferenz beraten und abgestimmt. Jetzt wurde wieder ein Ordner für jede Klasse mit einem Blatt für jeden Schüler angelegt. Das Eintragen der Bewertungen wurde an den Schulen höchstunterschiedlich gehandhabt. An manchen Schulen mussten monatlich für jeden Schüler, den man unterrichtet, mehr als 10 Einzelkriterien eingetragen werden. Da kann sich jeder vorstellen, welche Freude bei der Musiklehrerin aufkommt, die alle Mädchen und Jungen der Schule unterrichtet. An einigen Schulen wurden effektive Verfahren entwickelt. So mussten die Bewertungen der „großen“ Fächer, Mathematik, Deutsch und Englisch zweimal und die übrigen Fächer einmal im Halbjahr eintragen werden. Allerdings hat diese knappe Vorgehensweise auch schon zu Diskussionen mit der Schulaufsicht geführt. Meine Kollegin von der Fraktion DIE LINKE, Frau Oldenburg, wird das alles sicherlich bestätigen können.

Deshalb sind die Forderungen zur Prüfung eindeutig:

          wenige Bewertungskriterien, und vor allem

          einheitliche Maßstäbe zur Leistungsbewertung in unserem Bundesland in Form von Zensuren oder Punkten zur besseren Vergleichbarkeit

Der zweite Prüfauftrag an die Landesregierung lautet, ob

„Künftig verpflichtende Elterngespräche mit Protokoll zum Halbjahr die bisherigen schriftlichen Beurteilungen und Gutachten am Ende der Orientierungsstufe ersetzen können.“

Im Schulgesetz § 63 Absatz 1 heißt es: „Die Bewertung der Leistungen und die Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens der Schülerinnen und Schüler erfolgt in der Regel am Ende eines jeden Schulhalbjahres durch Zeugnisse.“

Für unsere Lehrerinnen und Lehrer bedeutet es, dass zum Halbjahr und zum Endjahr eine schriftliche Beurteilung auf dem Zeugnis zu stehen hat. Ebenfalls muss in der 6. Klasse noch ein Gutachten zum weiteren Werdegang geschrieben werden. Ein Arbeitsaufwand, der sehr hoch für Klassenleiter/-innen ist. Hier wollen wir Erleichterungen schaffen.

Deshalb haben die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU vorgeschlagen, dass die schriftlichen Beurteilungen zum Halbjahr und das Gutachten zum Übergang nach Klasse 7 wegfallen. In allen Schulprogrammen steht, dass die intensive Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule festgeschrieben wird und Elterngespräche von Angesicht zu Angesicht, und nicht am Telefon, selbstverständlich werden. Es gibt im ersten Schulhalbjahr Eltern- und Lehrersprechstunden an allen Schulen unseres Landes. Wenn nun diese Gespräche in einem Kurzprotokoll nach bestimmten Kriterien festgehalten (Formblatt) werden, hat man die Beurteilung zum Halbjahr ersetzt.

Ich weiß, dass mehrere Schulen dieses Verfahren bereits praktiziert haben und dass die Akzeptanz bei Lehrern und Eltern sehr hoch ist. Das Argument, dass nicht alle Eltern erreicht werden und zur Schule kommen, stimmt nicht. Im Gegenteil, manche Eltern werden zum Wohle und im Sinne ihres Kindes so gezwungen, in der Schule zu erscheinen. In einem persönlichen Gespräch kann man die Eltern auch intensiver beraten als in einer kurzen schriftlichen Beurteilung zum Schulhalbjahr. Das Verfahren kann also einfach und praktikabel, effizient und unbürokratisch sein.

Der dritte Prüfauftrag an die Landesregierung lautet, ob

„Künftig neben den Abschlussfächern in Deutsch, Mathematik und Englisch auch in den Wahlfächern Physik, Chemie, Biologie, AWT, Geschichte, Geografie und Sozialkunde die schriftlichen Prüfungen zentral erarbeitet werden oder diese Prüfungen entfallen.“

Wer sich in der Schule auskennt, weiß, wie groß der Zeitaufwand für die jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer ist, die schriftlichen Prüfungen und die Antwortspiegel für die sieben Prüfungsfächer zu erarbeiten. Und das zweimal, denn die Ersatzarbeit muss auch vorliegen. Die Schulleitung muss das dann noch alles kontrollieren und genehmigen.

Priorität legen die Regierungskoalitionen von SPD und CDU hierbei auf den Wegfall der zusätzlichen schriftlichen Prüfungen. In anderen Bundesländern werden auch nur die drei Fächer Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache in der Mittleren Reife schriftlich geprüft. Wir sollten hierbei keine schwereren Bedingungen für unsere Schülerinnen und Schüler organisieren, deshalb lautet auch

der vierte Prüfauftrag an die Landesregierung:

„Die Landesregierung wird zudem gebeten, sich für die bundesweite Angleichung der Bestehensbedingungen für die Berufsreife und Mittlere Reife einzusetzen.“

Wenn wir es in Deutschland schaffen, gleiche Bedingungen bei den Abschlussprüfungen zur Berufsreife und zur Mittleren Reife zu erreichen, dann ist eine bundesweite Vergleichbarkeit gewährleistet. Die gleichen Bildungsstandards sind hierbei nicht ausreichend. Den Weg zum Abschluss, ob in einer Gemeinschaftsschule, einer Regionalen Schule, einer Mittelschule, einer Kooperativen oder Integrierten Gesamtschule oder in einem Schulzentrum kann jedes Bundesland selbst festlegen. Da unsere Schulabgänger sehr mobil sind und oft in anderen Bundesländern ihre Lehre beginnen, müssen wir auch einheitliche Abschlussregelungen in ganz Deutschland anstreben.

 

Stimmen Sie diesem Antrag der Fraktionen von SPD und CDU zu.